Dieter Wolf: Segeln an Norwegens Westküste

Erfahrungen und Eindrücke 

Im Sommer 2003 segelte ich auf meiner WAYA 3, einer HR 34, nach den Lofoten."Segelte" ist übertrieben,denn erhebliche Strecken musste ich unter Motor zurücklegen. So ging es allen Seglern, die ich unterwegs traf.

Wenn Wind ist, weht er normalerweise parallel zur Küste bzw zum Fahrwasser, also genau in Fahrt- oder in Gegenrichtung. Je weiter man im Sommer nach Norden kommt, desto schwachwindiger ist es normalerweise - wahrscheinlich ein Einfluss des arktischen Hochs. Natürlich muss das nicht immer so sein. Also: Ein zuverlässiger Motor ist wichtig. Nicht ohne Grund gibt es in Norwegen viel weniger Segel- als Motorboote.

Nördlich von Stavanger kann man sich bis auf einige Strecken in geschützten Gewässern bewegen. Die Navigation ist - besonders in den kommerziell befahrenen Gebieten - problemlos. Die Gewässer sind sehr gut mit Seezeichen ausgestattet, an deren Besonderheiten man sich schnell gewöhnt. Nimmt man GPS zu Hilfe, kann eigentlich nichts passieren.

Schwimmstege sind nördlich Bergen interessant, wo sich die Gezeiten bemerkbar machen. Bei Bergen etwa 1 m, in den Lofoten etwa 2,5 m Tidenhub. Bezüglich Gezeitenströmungen verweise ich auf u.a. Literatur. Ich hatte auf meinem Törn vielfach Geschwindigkeiten von 1 - 2 kn beobachtet. Aber es gibt Stellen, an den es kräftig rauscht.

Ich benutzte die norwegischen Seekarten, Maßstab 1:50000. Sie sind zwar ein wenig unhandlich, aber wesentlich preisgünstiger als die Sportbootkartensätze, die es ohnehin nur südlich von Trondheim gibt. In diesen Karten ist jeder Stein eingezeichnet. Aber Vorsicht bei der Benutzung des GPS: Einige dieser Karten sind evtl. nicht mit WGS 84 kompatibel. Allerdings sind die Korrekturdaten auf den Karten vermerkt. Besonders in Ost-West-Richtung sind Abweichungen von einigen Kabellängen möglich.

Natürlich ist das gesamte Gebiet inzwischen mit elektronischen Seekarten abgedeckt. Dazu habe ich aber keine Erfahrungen.

Literatur (Stand 2010): Das nach meiner Meinung wichtigste Werk ist

 Georg Schuster: 100 Häfen in Norwegen; kostet ca. 22 €

Es ist von Fahrtenseglern für Fahrtensegler geschrieben und inzwischen auf 400 Häfen und 150 Ankerplätze angewachsen.. Die Autoren sind Norwegen-Fans, die immer noch Jahr für Jahr dort segeln.

Neuerdings gibt es im Fachhandel die norwegischen Hafenführer "Havneguiden" Bd. 1 - Bd.3. Sie decken den Bereich Oslo bis Bergen ab, sind in norwegisch, kosten ca. 70 € je Band.

Außerdem wird ein englischsprachiges Werk "Norway" des Royal Cruising Club RCC für 65 € angeboten.

Die norwegischen Bücher "Den norske los" sind auf die Berufsschifffahrt und ein wenig auf die Sportschiffer ausgerichtet und liefern ergänzende Informationen, ohne die man zunächst gut auskommt. Es sei denn, die vielen hundert Häfen und Ankerplätze, die in dem deutschsprachigen Buch aufgeführt sind, genügen einem nicht. Nördlich von Stavanger findet man schätzungsweise alle 10 sm oder häufiger einen Hafen oder geschützten Ankerplatz. Viele der Häfen haben inzwischen Schwimmstege.

Eine sehr empfehlenswerte Reisebeschreibung gibt es als Buch: Ralf-Thomas Hillebrand: "Im Süden der Polarkreis". Es beschreibt einen Törn 2008 von Vorpommern entlang der norwegischen Küste bis Murmansk und zurück.

 

Preise (Richtwerte 2003):

Hafengelder 6 - 12 € pro Nacht, Stromanschluß meist ca 3 € pro Nacht,

Dusche ca. 2,5 € pro Person, Waschmaschine ca 2,5 €, Diesel 0,7 €/Liter(zollfrei),

0,5 l Dosenbier 3 €

Gas ist ein Problem: Die deutschen Flaschen werden nicht nachgefüllt, die blauen Camping-Gaz-Flaschen weder getauscht noch nachgefüllt. Wenn man nicht genügend Vorrat an Bord hat, muss man sich dort eine Flasche und einen Adaptersatz kaufen. Im letzten Hafen kann man die Flasche wieder abgeben und bekommt einen Teil des Kaufpreises rückerstattet.

 

Die Schönheiten des Landes zu beschreiben, war nicht Ziel dieses Artikels. Eins ist sicher: Die Wirklichkeit ist schöner und eindrucksvoller als alle Bücher und Filme dies vermitteln.

 

              

               Swartisen-Gletscher


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