Segeln an Polens Ostsee-Küste

Vorbemerkung:  Seit dem 21. Dezember 2007 sind die Passkontrollen an den Grenzen zu Polen (und Tschechien) weggefallen. Die  Einreise durch das Stettiner Haff und auch von See her läuft problemlos. In einigen Häfen fragte bei der Einfahrt der Zoll nach der Personenzahl und dem letzten Hafen, ohne dass das Boot anlegen musste. Die militärischen Sperrgebiete bestehen weiterhin und müssen beachtet werden.

Die Kreuzer-Abteilung des DSV (Info Pool) hat für ihre Mitglieder hierzu ein mehrseitiges, umfassendes, auf den 7. Oktober 2010 aktualisiertes Infoblatt herausgebracht

D. Wolf

 

In den Jahren 2005 und 2009 segelte ich entlang Polens Küste von Swinemünde bis Danzig und wieder zurück. Auf dem Rückweg machte ich 2005 von Swinemünde aus einen Abstecher nach Stettin und verließ Polen durch das Oder-Haff. Dieser Törn war ohne Nachtfahrten gut zu bewältigen, da die Häfen, die für mein Boot von 10 m Länge und 1,85 m Tiefgang in Frage kommen, weniger als 40 sm auseinander liegen. Bis Danzig waren von Kiel aus 410 sm zurück zu legen.

  

  Danzig, Krantor                                  Danzig, Hauptstraße, Rathausturm

Polen gehört zwar inzwischen zur EU. Aber einiges ist noch anders, als wir das gewohnt sind. Eine Crewliste und Ausweise wurden auf unserem Törn 2009 nicht verlangt. In einigen Häfen wurden wir jetzt von jungen Soldaten höflich nach dem letzten Hafen gefragt und wie viele Personen an Bord sind.

Es sei darauf hingewiesen, dass für Polen ein EU-Waffenschein erforderlich ist, wenn man eine Signalpistole mit sich führt. Der nationale genügt nicht.

Bewachte, abgeschlossene Sporthäfen fanden wir nur in Danzig, Gdynia und im Norden Stettins. Swinemünde, Hel und Leba verfügen über schön gelegene Sportboothäfen. Kolberg und Wladislawowo weisen Becken für Sportboote aus. Ustka und Darlowo sind reine Fischerhäfen, in denen man aber liegen kann. Allerdings kann bei starken westlichen Winden ein übler Schwell in diesen beiden Häfen stehen. Mir wurde berichtet, dass Seglern in Ustka das Ausweichen in ein ruhigeres Nebenbecken verwehrt wurde. In Darlowo konnten wir uns flußaufwärts in geschützteres Gewässer verholen. Kolberg und Danzig sind oft überfüllt, aber wir haben jedesmal einen Platz gefunden.

An die sanitären Anlagen darf man keine hohen Ansprüche stellen. Leba bildet hier eine rühmliche Ausnahme. Die Hafengelder lagen für mein 10-Meter-Boot unter 12 €. Dusche, Wasser und Strom kosteten manchmal extra, manchmal waren sie inklusive. Polnisches Geld kann man in den Postämtern eintauschen. Auch die Geldautomaten nehmen unsere EC-Karten an.

In Landnähe hatte man überall gute Handy-Verbindung. Wetterbericht gab es mindestens einmal täglich in englisch über Seefunk - nach Ankündigung auf Kanal 16.

Gewisse Probleme bereiteten uns militärische Sperrgebiete. Diese sind in den Seekarten ausgewiesen und nur zeitweilig gesperrt. Die Zeiten werden über Funk (in etwas gewöhnungsbedürftigem Englisch, Ankündigung auf Kanal 16) und auch über Navtex bekannt gegeben. Wachboote verhindern ein Eindringen während dieser Zeit, und es können Umwege von einigen zig Seemeilen fällig werden. Es empfiehlt sich, wenn man diese Informationen nicht hat, vor dem Auslaufen den Hafenmeister zu befragen (was allerdings manchmal sprachliche Probleme bereitet).

 

westlich von Leba gibt es hohe Sanddünen

Bezüglich Informationen über Land und Leute sei auf die Literatur aus dem Buchhandel hingewiesen. Hier nur folgendes: In allen Häfen herrschte bis Ende August fröhliche Ferienstimmung, viele Kioske, Buden, Restaurants und Musik. Schließlich hat Polen von Swinemünde bis Danzig einen fast durchgehenden Sandstrand. Vom Wasser aus ändert sich das Landschaftsbild über die ganze Strecke kaum. Vor den Hafeneinfahrten beobachteten wir oftmals trotz moderater Winde einen überraschend hohen Schwell.

fast leerer Seglerhafen zum Saisonende in Swinemünde

Die polnische Kost gefiel uns gut. Sie ist der unseren ähnlicher als z.B. die dänische. Die Auswahl an Obst und Gemüse ist auch bei tropischen Früchten wie bei uns.

Alles in allem war es ein schöner, nachahmenswerter Törn.

Dieter Wolf


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