07.03.10Segler in Nord- und Ostsee, Atlantik und Mittelmeer aktiv
SVSH zeichnete Fahrtensegler aus
Segeln ist ein Lifetime-Sport. Das wurde bei der Ehrung der Fahrtensegler des Seglerverbandes Schleswig-Holstein in Strande deutlich, denn in den 25 Crews, die für ihre Langschläge geehrt wurden, waren Zehnjährige ebenso vertreten wie 80-Jährige. Ihre Fahrten führten sie nach Polen und ins Baltikum, in den nördlichsten Zipfel der Ostsee, alle skandinavischen Länder, aber auch in die Nordsee, nach England und in mehreren Etappen bis auf die Azoren. Einige Schleswig-Holsteiner haben ihre Boote aber auch ins Mittelmeer verlegt und segelten dort Rundtouren.
So kamen bei der Vorstellung der Reisen im Rahmen der Ehrung viele Tipps für die nächsten Tourenplanungen zusammen. Vor allem die Ostsee-Reisenden konnten sich intensiv austauschen. Helga und Eilt Entjer etwa kreisten auf ihrer „Alu Bella" fast einmal komplett um die Ostsee und berichteten von deutlich verbesserten Einreisebedingungen in Polen, wo die Bürokratie kaum mehr zu spüren sei. Auf ähnlichem Kurs fuhr auch die „Mistral"-Crew von Hans-Jürgen Driesen, die damit den Preis des SC Eckernförde für die meisten besuchten Länder gewann. Auch Helge Knierim zog es Richtung Baltikum. Er hat aufgrund der schwierigen Hafenanfahrten bei Schwell und des Einflusses der russischen Mafia aber schnell wieder den Kurs Richtung Gotland eingeschlagen. Fritz und Ingeborg Osten nutzten dagegen die Gemeinschaft des internationalen Tourenyachtclubs, um von der Elbe aus Ziele in der nördlichen Ostsee anzulaufen. Solveyg und Holger Rövensthal indes trotzten auf ihrer nur 7,8 Meter langen Albin Express „Ronja" stärksten Stürmen und Krankheiten und legten in 120 Tagen 2640 Seemeilen zurück. Möglich war das den Kielern nur, weil sie Jahresurlaub, das Abfeiern von Überstunden und unbezahlten Urlaub kombinierten. Noch mehr Zeit nahm sich der 80-jährige Hans-Werner Böhm, der in Etappen über drei Jahre mit seinem 75-jährigen Freund auf seiner Fischkutter-ähnlichen „Ursula" die gesamte Ostsee bereiste.
Während für Otto Harders die Fahrt durch den Götakanal bis zu den Ostschären bereits Routine ist, mussten Ralf Wiedener und Kurt Schindler ihren geplanten Schlag nach Haparanda wegen eines Motorschadens, der sie in Stockholm festhielt, verschieben.
Raus aus der Ostsee trieb es gleich mehrere Crews. Norwegen war das Ziel von Marja und Rainer Haag, einen lang gehegten Traum erfüllten sich Uwe und Dunja Richardt auf den Shetlands, wo ihre Erwartungen weit übertroffen wurden. Mit ungünstigen Winden musste dagegen Burkhart Bromm rund um England kämpfen. Noch weiter hinaus auf den Atlantik ging es für die Schulungsgruppe des KYC, die in verschiedener Crewbesetzung ebenso bis zu den Azoren segelte wie Klaus Dörner in unterschiedlicher Familienzusammensetzung, um dort auf die Transatlantiksegler zu treffen.
Während die meisten Crews in Zwei-Mann-Besatzung unterwegs waren, schafften es Martin Floß und Andreas Kreft jeweils ihre Familien mit auf Tour zu nehmen. Mancher Trick, um den Nachwuchs bei Laune zu halten, war dafür allerdings notwendig. Während die „Barlavento" von Martin Floß die frühen Morgenstunden nutzte, um ungestört Strecke zu machen, hatte Andreas Kreft die lange Etappen mit der „Pippilotta" mit einem Freund gesegelt und die Familie später an Bord genommen. Gar als Vereinsfahrt gestaltete der SV Elmshorn die Tour mit der „Felicitas", die in den Ostseehäfen zudem häufig mit anderen Vereinsschiffen zusammentraf. Ein Freundschaftsdienst war die Reise von Walter Stoffers, der einem finnischen Bekannten auf der Reise von Strande nach Hankö das Segeln beibrachte.
Vielen Seglern ist der Segelsport als Ausdruck eines besonderen Lebensgefühls gemeinsam. Walter Zimmermann hat dieses sogar im Bootsnamen seiner 36-Fuß-Yacht verewigt. Mit seiner „1. Wohnsitz" segelte er über Bornholm nach Stockholm und genoss in den Schären vor Västervik beste Fischspezialitäten und einen Besuch des Lotsenmuseums auf der Schäre Idö.
Für Paul Gudowius aus Großenbrode ist der Aufbruch in fremde Gefilde nicht nur die Reise zu fremden Ländern, sondern auch eine innere Reise, die er im vergangenen Jahr aus mehreren Motiven angegangen ist. Das stärkste davon: die Reise zu den eigenen Wurzeln. Geboren in Memel und dort bis zum sechsten Lebensjahr aufgewachsen, verlor er seinen Vater bei der Kurlandschlacht. Jetzt, rund 65 Jahre später, segelte er in seine alte Heimat und nahm auf dem Schlachtfeld Abschied vom Vater, der nie aus dem Krieg zurückkehrte.
Folgende Skipper wurden von Dieter Wolf, Breitensport-Vorsitzender des Seglerverband Schleswig-Holstein, ausgezeichnet:
Hans-Werner Böhm (Schwartauer SV, Reiseziel: Bottnischer Meerbusen), Hartmut Borchardt (SV Wilster, Sardinien/Balearen), Burkhart Bromm (Kieler YC, Rund England), Klaus Dörner (TSV Schilksee, Azoren), Hans-Jürgen Driesen (SC Eckernförde, Ostsee rundum), Helga und Eilt Entjer (YC Strande, Gdansk/Helsinki), Hans-Jürgen Färber (SV Wilster, Nord-und Ostsee), Karl-Heinz Faust (SV Wilster, Schweden/Norwegen), Martin Floß (Kieler YC, Stockholm), Paul Gudowius (YC Großenbrode, Klaipeda/Aland-Inseln), Marja und Rainer Haag (SV Heiligenhafen, Kattegat/Skagerrak), Otto Harders (WV Mönkeberg, Götakanal), Helge Knierim (VM Stickenhörn, Gdansk/Gotland), Andreas Kreft (SC Baltic, Kalmar/Stockholm/Visby), Dietrich Onnasch (Kieler YC, Vänernsee), Fritz und Ingeborg Osten (SV Wedel-Schulau, Aland-Inseln), Uwe Richardt (Mötenorter SK, Shetlands), Solveyg und Holger Rövensthal (SV Kiel, Baltikum/Finnland), Vanessa Schluifer (SV Elmshorn, Rund Fünen), Matthias Schüler (Laboer RV, Ionisches Meer), Wolfgang Schütt (SV Itzehoe, Trondheim), Walter Stoffers (YC Strande, Klaipeda/Turku), Jan-Dirk Tenge (Schulungsgruppe Kieler YC, Azoren), Ralf Wiedener (SV Trave, Stockholm/Visby), Walter Zimmermann (WV Mönkeberg, Bornholm/Stockholm).
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