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Zur TW 2026 rollt eine Welle an Meisterschaften an. Foto: Christian Beeck/TW

TW 2026: Flut an EM und WM

Nach der Ebbe kommt die Flut: Der Ankündigung im Sommer, dass die Travemünder Woche 2026 eine Vielzahl von Klassen und Meisterschaften bieten wird, folgen nun Taten. Die Vereinbarungen mit den Klassenvereinigungen sind getroffen, und so werden zur 137. Ausgabe der Regattawoche rund 900 Boote mit über 1500 Seglerinnen und Seglern erwartet.

Das Aufgebot an Titelkämpfen steuert auf einen Rekord hin: Im Reigen der voraussichtlich 28 Entscheidungen werden 16 Welt- und Europameisterschaften ausgetragen. Das Gros der internationalen Meisterschaften fällt dabei auf die diversen RS-Klassen, aber auch weitere traditionelle und junge Klassen haben sich mit Saison-Höhepunkten zur Travemünder Woche angemeldet.

Nach 2018 sind die Vaurien wieder mit ihrer Weltmeisterschaft vor Travemünde vertreten. Foto: Christian Beeck/TW

 

So segeln die Vaurien wie schon 2018 ihre Weltmeisterschaft vor Travemünde aus, für die königlichen Drachen geht es um die Norddeutsche Meisterschaft, und mit dem Goldcup der Folkeboote kommt ein Stück Segelgeschichte an seinen Ursprungsort zurück.

„2025 und 2026 sind zwei Jahre der Gegensätze. Nachdem wir bei der vergangenen Ausgabe eine tiefe Delle bei den Regatten und Teilnehmerzahlen hatten, wie sie selten, aber immer mal wieder passieren kann, erwarten wir nun viele Klassen, große Felder und hochklassige Regatten. Um das alles managen zu können, werden wir auch an Land alle Kapazitäten ausschöpfen müssen, um den Seglerinnen und Seglern ein tolles TW-Ambiente zu bieten“, sagt Frank Schärffe, Geschäftsführer der Travemünder Woche gGmbH.

Der Hochbetrieb an Land wird sich auch auf dem Wasser fortsetzen. „Auf allen acht Regattabahnen wird die gesamte Woche Hochbetrieb herrschen. Für unsere Wettfahrtleiterteams wird es kaum Zeit zum Durchatmen geben. Aber wir haben hochprofessionelle Teams auf den Bahnen, die für die Sportlerinnen und Sportler den perfekten Rahmen bieten werden“, sagt Gesamt-Wettfahrtleiter Anderl Denecke, der nicht nur die Organisationsteams des hauptveranstaltenden Lübecker Yacht-Clubs an seiner Seite weiß, sondern auch die Mitveranstalter von NRV Hamburg, Zürcher Yacht-Club und Berliner Yacht-Club. Dazu unterstützen Regattaoffizielle aus weiteren Clubs auf den Bahnen.

Auch Sportdirektor Jens Kath weiß um die große Aufgabe, die im kommenden Jahr wartet: „Mit den bereits seit langem vereinbarten RS Games und den verschiedenen Meisterschaften der zwölf RS-Klassen hatten wir schon ein starkes Programm am Start. Dass dann noch weitere so hochklassige Meisterschaften dazu kamen, ist außergewöhnlich. Aber wir werden zeigen, dass die Travemünder Woche das kann. Nicht umsonst hat die Lübecker Bucht einen herausragenden Ruf als Meisterschaftsrevier.“

Unter den vier Welt- und Jugendweltmeisterschaften der RS-Klassen sticht die WM der Jugendklasse Feva wohl noch heraus. Im Corona-Jahr 2021 segelten die RS Feva bereits um den globalen Titel vor Travemünde und brachten 97 Boote an den Start. Jetzt dürften es noch deutlich mehr werden. Aber auch die jugendlichen RS-Tera-Segler werden mit einem Feld von rund 80 Booten zu ihrer WM erwartet.

Die Weltmeisterschaft der Jugendklasse RS Feva wird eines der Highlights in 2026. Foto: Christian Beeck/TW

Für die RS Aero geht es bei den Erwachsenen um die EM- und bei den Jugendlichen um die WM-Titel. In den vier Kategorien (gestaffelt nach verschiedenen Segelgrößen) können es insgesamt über 150 Teilnehmende werden. Und auch bei den RS 500, einer rasanten Skiffklasse, geht es um Welt- und Europameistertitel.

Etwas kleiner werden die weiteren RS-Klassen ausfallen. Die Qualität des Teilnehmerfeldes wird allerdings ebenfalls hochklassig sein. Die modernen Jollen und Skiffs der RS 100, RS 200, RS 400, RS 700 und RS 800 segeln ebenso um den EM-Titel wie die RS Vareo.

Und die Werft aus Großbritannien bietet noch mehr Varianz. Mit den RS21 kommt eine Kielboot-Klasse zum Euro Cup nach Travemünde, und die – ebenfalls mit Kiel ausgestattete – RS Venture Connect hat sich als die inklusive Klasse schlechthin etabliert und wird zur Travemünder Woche den EM-Titel aussegeln.

Michiel Geerling von der RS-Klasse betonte die große Bedeutung der Travemünder Woche für die Klasse: „Ich bin früher selbst in Travemünde gesegelt und kenne die Möglichkeiten hier. Es ist das erste Mal, dass die RS Games außerhalb Englands ausgetragen werden. Wir freuen uns auf Travemünde. Das wird ein großes Event mit zwölf Klassen und 13 Meisterschaften, bei der die ganze Familie vom jungen Einsteiger bis hin zu den Eltern teilnehmen kann. Und das Programm ist so gestaltet, dass einige Teilnehmer auch bei mehreren Meisterschaften an den Start gehen können.“

Daneben zeigen die Drachen, was klassichen Segelsport ausmacht. Die offenen Kielboote sind der Inbegriff des klassischen Yacht-Designs. In 2027 wollen die Crews vor Travemünde um den Goldcup segeln, daher werden zur Norddeutschen Meisterschaft in 2026 schon viele Topcrews zum Revier-Check erwartet.

Ebenfalls traditionellen Bootsbau und Segelkunst sowie große Geschichte verkörpern die Vaurien und Folkeboote. In 2026 feiert die kompakte Vaurien-Jolle den 75. Geburtstag ihrer Konstruktion. Weltmeisterschaften werden seit 1962 ausgetragen, erstmals 1967 auch in Deutschland. 2018 war die Klasse, die vor allem in Frankreich, Italien und Spanien stark verbreitet ist, bereits in Travemünde mit der WM zu Gast. Nun werden wieder die stärksten Crews der Vaurien zur TW erwartet.

Eine lange Geschichte verbindet die Folkeboot-Klasse und die Travemünder Woche. In diesem Jahr geht es um die höchste Auszeichnung der Klasse: den vor über 60 Jahren in Lübeck gestifteten Goldpokal. Foto: Christian Beeck/TW

Noch länger ist die Geschichte der Nordischen Folkeboote. Bereits 1939 wurde das seetüchtige Kielboot in Skandinavien entwickelt und hat sich seitdem im Ostseeraum stark verbreitet, ist aber auch in Großbritannien, den USA und Kanada vertreten.

Der entscheidende Push für die Regatta-Aktivität der Klasse kam 1963 aus Lübeck: Senator Alfred Hagelstein stiftete den Goldpokal für die Klasse. Der ein Kilogramm schwere Pokal ist seitdem die wichtigste Trophäe, die es bei den Folkeboote zu gewinnen gibt und gilt als inoffizielle Weltmeisterschaft. In 60 Jahren wurde er ausschließlich in Deutschland, Dänemark und Schweden ausgesegelt, 2023 dann in Estland. In Travemünde wird der Goldpokal in 2026 zum zehnten Mal ausgetragen – nicht nur ein Höhepunkt für die Travemünder Woche, sondern auch die Klasse selbst.

Weitere Ranglisten- und Seeregatten werden das Programm der Travemünder Woche 2026 abrunden. Das Segeln vor Publikum kommt natürlich auch nicht zu kurz: Bei den Trave Races werden sich die verschiedenen Klassen aus dem WM- und EM-Programm präsentieren. Und am TW-Mittwoch kommt es zum traditionellen Duell von Bürgermeister Jan Lindenau gegen einen Politkollegen. Der Gegner oder die Gegnerin steht indes noch nicht fest.

Einen Ausblick auf 2027 wagte Jonathan Koch, der Jugendobmann der Deutschen Segler-Verbandes (DSV). Im kommenden Jahr werden die Deutschen Jugenmeisterschaften in allen DSV-Meisterschaftsklassen vor Travemünde ausgetragen. „Das ist ein Event, das nur alle vier oder fünf Jahre stattfindet und daher ein großes Ereignis für die Jugendlichen ist. Hier kommen alle ambitionierten Nachwuchssegler zusammen und lernen Athletinnen und Athleten aus anderen Klassen kennen und können schon mal in andere Klassen hineinschnuppern, in die sie später aufsteigen möchten. Diese Meisterschaften haben auch immer einen Charakter wie kleine Olympische Spiele.“