Olympia im Fokus: Ortbegehung in Schilksee
Am 19. April soll die Stadt Kiel in einem Bürgerentscheid darüber befinden, ob sie nach 1936 und 1972 erneut olympische Segelwettbewerbe in der Stadt ausrichten möchte. Die Stadtspitze sowie der Stadtrat haben sich bereits klar dafür ausgesprochen und schon erste Pläne entwickelt, wie Olympia in Schilksee aussehen könnte. Diese Ideen wurden nun bei einer Ortsbegehung am 8. März den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt.
Rund 150 Interessierten ließen sich die ersten Pläne bei einem Rundgang im Olympiazentrum Schilksee von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Gerwin Stöcken, Stadtrat für Soziales, Wohnen, Gesundheit und Sport, dem Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst sowie DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner erklären.
Grundlage für eine erneute Kieler Bewerbung um die Austragung von olympischen Wettbewerben ist das bereits bestehende Olympiazentrum von 1972. Auf diesen Bauten soll erneut aufgesetzt werden. Gleichwohl verlangen Spiele für 2026, 2040 oder 2044 nach einer umfassenden Sanierung, Umgestaltung und Anbauten des bestehenden Gebäude-Ensembles. Auf über 60 Millionen Euro werden die Investitionen für Olympia in Kiel geschätzt.
Vor allem der Neubau einer Bootshalle und die Errichtung eines Olympischen Dorfes werden für hohe Kosten sorgen. Doch Ulf Kämpfer machte deutlich, dass diese Bauten nicht ausschließlich für Olympia errichtet werden, sondern nachhaltig genutzt werden sollen – wie es auch bereits mit dem Olympiazentrum von 1972 geschehen ist. „Die Investitionen entstehen nicht für Olympia, sondern anlässlich Olympia“, so Kämpfer.

Er nahm 1972 als Beispiel. Auch damals seien zu den Spielen viele Bauten und Umbauten in Kiel entstanden, von denen die Stadt im Nachgang profitierte. Diese Investitionen für den Bau des Klärwerks in Bülk, die Autobahnzubringer und Brücken, die Umbauten des Opernplatzes in Kiel hätten sonst nach und nach von der Stadt gestemmt würden. Daher sein Fazit: „Am Ende bezahlen wir nicht für Olympia, sondern bekommen noch etwas.“
Das Herzstück der Neu- und Anbauten wird im Norden des aktuellen Gebäudekomplexes liegen. Der Neubau einer neuen Bootshalle, der bereits zur Kieler Woche im vergangenen Jahr angekündigt wurde, soll nun auf dem Park- und Vorplatz der bestehenden Bootshalle Nord entstehen. Dabei sollen zwei Gebäudekomplexe entstehen – zu beiden Seiten der Zuwegung zum Hafen. Mit viel Glas soll Licht in die Halle kommen.
Ein Erweiterungsbau der bestehenden Halle wäre ohnehin in den kommenden Jahren notwendig geworden, wenn das Olympiazentrum als Bundesstützpunkt weiterhin den Ansprüchen der aktuellen Olympiaklassen mit großen Masthöhen gerecht bleiben sollte. Und dass eine Bootshalle für den Erhalt der wertvollen Sportgeräte notwendig ist, machte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner deutlich.
Der Bau der Bootshalle wird Kosten von acht bis zehn Millionen Euro verursachen. Durch das Land sind bereits zwei Millionen Euro zugesichert worden. Auf weitere Förderung durch den Bund hofft man, so dass die Stadt Kiel nur einen kleinen Teil der Gesamtinvestition stemmen muss.
Im Anschluss an den nördlichen Bootshallenbau soll nach den aktuellen Plänen der Stadtverantwortlichen das Olympische Dorf entstehen. Dafür ist die Wiese zwischen Schilksee und Strande vorgesehen, die derzeit als temporärer Campingplatz während der Segelgroßveranstaltungen genutzt wird.
Eigentümerin der Wiese ist zwar die Stadt Kiel. Allerdings liegt sie auf Strander Gebiet, so dass eine Bebauung durch die Gemeinde Strande genehmigt werden muss. Für Olympia stehe man mit den Umlandgemeinden von Strande bis nach Laboe und Wentorf aber in einem guten Austausch und verfolge gleiche Ziele, betonte Kämpfer.
Im Anschluss an die Spiele soll der neu geschaffene Gebäudekomplex als Wohnungen genutzt werden. Weitere Olympiabauten, wie beispielsweise das Medienzentrum, werden als temporäre Bauten nach Olympia wieder verschwinden.

Profitieren von den Olympiaplänen soll auch die marode Schwimmhalle. Seit Jahren steht sie als Bauruine leer. Jetzt haben Untersuchungen gezeigt, dass das Lehrschwimmbecken nicht mehr zu retten ist. Daher soll dieser Bau ersatzlos abgerissen werden.
Stattdessen soll ein neues Lehrschwimmbecken in den bisherigen Räumen des Vitarium entstehen. Das 25-Meter-Becken der Schwimmhalle soll statt eines gefliesten Beckens nun eine Stahlwanne erhalten, die den Beton besser schützt. Die Bauten werden aktuell vorangetrieben uns sollen im dritten Quartal 2027 abgeschlossen sein.
Alle Umbaumaßnahmen des denkmalgeschützten Olympiazentrums erfolgen in enger Abstimmung mit dem Architekten. Auf weitere große Neubauten wie einen Turm beim Hafenmeistergebäude, wie es noch für die Bewerbung um die Spiel 2024 vorgesehen war, soll bei der erneuten Bewerbung verzichtet werden. Der Nachhaltigkeitsgedanke statt des Gigantismus, der auch sich auch immer stärker beim IOC durchsetzt, setzt sich hier durch.