NEU
Die Landessegelverbände wollen das Olympiazentrum Kiel zum Nachwuchsleistungssportstützpunkt Segeln machen. Foto: Christian Beeck

Landessegelverbände initiieren Trainingsbasis Kiel

Kräfte bündeln, Arbeit fokussieren, den Weg für eine Kieler Olympiabewerbung ebnen: Fünf Landessegelverbände und fünf leistungsorientierte Vereine legen den Grundstein für eine gemeinsame Trainingsbasis in Kiel. Rund um das Olympiazentrum Schilksee soll eine Infrastruktur für eine gezielte Nachwuchsförderung mit Blick auf die Olympischen Spiele in 2036, 2040 oder 2044 geschaffen werden.

Am 22. Mai 2026 unterzeichneten die Landessegelverbände aus Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein einen Grundlagenvertrag mit dem Ziel der Ausbildung und Förderung von Nachwuchskadern (NK 1 und NK 2), um den Übergang in den Bundeskader am DSV-Bundesstützpunkt zu optimieren. Unterstützt werden die Unterzeichner von den leistungsorientierten Vereinen Bayerischer YC, Blankeneser SC, Kieler YC, Mühlenberger SC und Norddeutscher Regatta Verein. Damit ist die Basis gelegt für den „Nachwuchsleistungssportstützpunkt Segeln“ in Kiel.

Über die Unterzeichnung des Grundlagenvertrags freuen sich (von links): Eckhard Jacobs (Innenministerium SH), Baptiste Bockelmann (Verein Kieler Jugenderholung), Oliver Kosanke (Hamburger Segelverband), Bernd Hassenjürgen (Bayerischer Segelverband), Jan-Dirk Tenge (Seglerverband SH), Gerwin Stöcken (Bürgermeister Kiel) und Till Wöllenweber (Landessportverband SH). Foto: Christian Beeck

„Dass sich die fünf Landesseglerverbände aus Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gemeinsam hinter den Segelstandort Kiel-Schilksee stellen, bekräftigt, welches Potenzial hier vorhanden ist. Mit Blick auf mögliche Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland zeigt dieser Schritt deutlich, dass an Kiel.Sailing.City kein Weg vorbeiführt“, freut sich Gerwin Stöcken, Bürgermeister in der Landeshauptstadt, über die Kooperation.

Grundlage der Initiative ist die Erkenntnis, dass Seglerinnen und Segler vor Kiel ideale Revierverhältnisse und Kooperationsmöglichkeiten in Vorbereitung auf höchstklassige Regatten und Meisterschaften vorfinden. Zudem besteht mit dem Olympiazentrum von 1972 die infrastrukturelle Basis für Trainingslager und Regattavorbereitung.

Diese Basis hat auch bisher schon die Kader- und Trainingsgruppen aus den bundesweiten Landessegelverbänden nach Kiel gebracht. Gleichwohl sind die Kapazitäten des Olympiazentrums begrenzt. Und an dieser Stelle setzt die Initiative an.

Insbesondere die schnellen Skiffklassen finden in Kiel beste Reviervoraussetzungen. Foto: Christian Beeck

Mit der Unterzeichnung des Grundlagenvertrags wird das Bekenntnis für einen zu erbauenden, neuen Leistungsstützpunkt in Kiel abgegeben,

  • der u.a. auch die Unterbringung und Verpflegung der Segler berücksichtigt,
  • in dem Athletik- und andere Trainingsmöglichkeiten vorgesehen sind,
  • die Lagerung von Booten und Begleitbooten und deren Bootsanhängern möglich ist,
  • Umkleide- und sanitäre Anlagen vorgehalten werden und
  • eventuell eine Werkstatt und Büroräume (als Sharing-Modell) vorhanden sind.

Die beteiligten Landesverbände und Vereine versprechen sich zukünftig durch eine Bündelung der Aktivitäten in Kiel eine Ressourceneinsparung, denn insbesondere Schlauchboote, Trainerressourcen und Material können vor Ort gemeinsam genutzt werden. Darüber hinaus können Transporte und Transfers eingespart werden. Die Nähe zum Bundesleistungszentrum Segeln des DSV wirkt sich leistungssteigernd auf den Nachwuchs aus und schafft positive Synergien.

„Es ist eine Lehre aus der Beobachtung anderer erfolgreicher Nationen und den vergangenen Olympischen Spielen, dass die Leistungsförderung der Talente früh und gezielt angesetzt werden muss. Wir müssen unter den Landessegelverbänden noch enger zusammenarbeiten“, sagt dazu Jan-Dirk Tenge, der Vorsitzende des Segler-Verbandes Schleswig-Holstein.

„Wir verfolgen als strategische Ziele damit primär, die gezielte Ausbildung und Förderung von Nachwuchskadern an einem zentralen Standort, um den Übergang in den Bundeskader am DSV-Bundesstützpunkt zu optimieren. Mit der Auswahl von Kiel-Schilksee als Trainingsstätte erklären wir zudem unsere gemeinsame Unterstützung der Landeshauptstadt Kiel für ihre Bewerbung um die Ausrichtung der Segelwettbewerbe für Olympische Spiele in Deutschland 2036, 2040 oder 2044“, heißt es im Grundlagenvertrag.

Erster Baustein des Gemeinschaftsprojekts ist die Kooperation mit dem Verein Kieler Jugenderholung zur Beherbergung von Trainingsgruppen im ehemaligen Olympischen Jugenddorf von 1972 am Falckensteiner Strand.

Der Verein Kieler Jugenderholung sieht in dieser Partnerschaft einen wichtigen Beitrag, um mit dem ersten Abschnitt der laufenden Sanierung des Jugenddorfs optimale Rahmenbedingungen für eine neue, zukunftsorientierte Ausrichtung des Standorts zu schaffen. Gleichzeitig weist der Verein auf das Potenzial hin und verbindet mit dieser Kooperation die Hoffnung, auch den zweiten Sanierungsabschnitt zeitnah realisieren zu können. Nicht zuletzt zeigt dieses Gemeinschaftsprojekt, wie die Stärkung lokaler Netzwerke solche Vorhaben erst möglich macht.

Das ehemalige Olympische Jugenddorf, etwa 3 km von Schilksee entfernt, wird gerade aufwendig in zwei Bauabschnitten saniert. Es ist geplant, im ersten Abschnitt 17 Zeltdachhäuser wieder in einen zeitgemäßen Zustand zu versetzen. Von Voll- bis Selbstverpflegung wird alles möglich sein.

„Das Jugenddorf ist für junge Seglerinnen und Segler perfekt geeignet. Die Nähe zu Schilksee, aber auch weiteren Sportanlagen sowie dem Strand bietet optimale Bedingungen für abwechslungsreiche Trainings in einem lockeren Ambiente“, sagt der Vorsitzende des Hamburger Segelverbandes Oliver Kosanke.

Dabei ist eine Dauervermietung und Selbstsanierung von Zeltdachhäusern des zweiten Bauabschnittes (unrenoviert) denkbar, oder eine zeitweise Anmietung von Unterkünften möglich. Auch könnten auf dem Gelände, während der Abwesenheit der Jugendkader, Motorboote und Jollen zwischengelagert werden, um diese vor Diebstahl und Vandalismus zu schützen. Diese Zusammenarbeit könnte dauerhaft große logistische Probleme lösen.

Till Wöllenweber, Geschäftsführer des LSV Schleswig-Holstein, zeigte sich beeindruckt von der Initiative: „Es gilt immer, Stärken zu finden und Ressourcen zu bündeln. Dass es hier gelungen ist, innerhalb eines Jahres eine Idee in ein konkretes Projekt umzusetzen, ist eine tolle Geschichte. Als LSV gehen wir diesen Weg gern mit.“

Mit der Taufe eines neuen Coachbootes dokumentierte der Segler-Verband Schleswig-Holstein (SVSH) zudem seine Ambitionen, die Infrastruktur für das Training der Kader auf ein neues Niveau zu heben. Der SVSH hat das sechs Meter lange und 100 PS starke Motorboot gemeinsam mit dem Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV) beschafft.

LSV-Präsidentin Barbara Ostmeier taufte das Trainerboot auf den Namen „Nis Randers“. Foto: Christian Beeck

Für LSV-Präsidentin Barbara Ostmeier war es eine besondere Ehre, das Boot auf den Namen „Nis Randers“ taufen zu dürfen. „Es ist ein besonders angenehmer Termin, den man als LSV-Präsidentin wahrnehmen darf. Eine Taufe durfte ich bisher noch nicht vornehmen. Mit dem Boot sorgt der Seglerverband Schleswig-Holstein für eine effiziente Trainerarbeit. Mit seinem Vorsitzenden Jan-Dirk Tenge und der gesamten Mannschaft ist der SVSH fast Tag und Nacht unterwegs, um den Verband nach vorn zu bringen. Das ist ein starkes Bekenntnis auch für Olympia. Jetzt gilt es, bis zur endgültigen Entscheidung, mit welcher Segelstadt Deutschland in das Rennen um die Austragung der Olympischen Spiele gehen wird, weiter alle Kräfte für Kiel zu mobilisieren.“

Zwei weitere Trainerboote werden zur Kieler Woche getauft. Diese Anschaffung ist nur durch die Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein möglich geworden, das sich hinter die Idee eines „Nachwuchsleistungssportstützpunkt Segeln“ in Kiel stellt.

„Der Kieler Bundesstützpunkt Segeln ist nicht ohne Grund der einzige in ganz Deutschland. Hier finden die Seglerinnen und Segler die besten Bedingungen, um sich optimal auf Europa- und Weltmeisterschaften und auf Olympische und Paralympische Spiele vorzubereiten. Wenn die größten Seglerverbände innerhalb des Deutschen Segler-Verbandes sich jetzt in Kiel zusammenschließen, um hier gemeinsam den Nachwuchs auszubilden, so ist das ein starkes Zeichen für die herausragende Kompetenz des Kieler Standortes“, sagte SH-Inneministerin Magdalena Finke.

Freude bei Vertretern aus Stadt, Land, den Landessegelverbänden und dem SVSH über das neue Coachboot. Foto: Christian Beeck

Der Grundlagenvertrag