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Die Kieler Woche übernimmt die neuen Formate von World Sailing. Foto: Felix Diemer

Neue Ideen für die Zukunft des Segelsports

Verlässliche Wettkampfzeiten, mehr Medaillenkandidaten am Finaltag und spannende, aber leicht zu verstehende Rennen – damit will der Segelsport seine olympische Zukunft auch nach den Spielen von Los Angeles/USA 2028 sicherstellen. Deshalb beschloss der Weltsegelverband World Sailing einige Formatänderungen, die bereits beim Sailing Grand Slam der sechs bedeutendsten Regatten 2026 und damit auch auf der Kieler Woche sichtbar werden. Höhepunkt der sechs olympischen Disziplinen, die am 20. Juni ab 13 Uhr starten, sind die Medalraces am Mittwoch (24. Juni).

Die Segelfans dürfen sich in diesem Jahr in den olympischen Klassen auf zwei statt bisher ein Medaillenrennen freuen. Diese werden nicht mehr doppelt, sondern nur noch einfach gewertet. Jedes Medalrace soll nur etwa eine Viertelstunde dauern; 12 bis 17 Minuten ist das vorgegebene Zeitfenster. Das eigene KielerWoche.TV wird die komprimierten Entscheidungen live im Stream und auf die LED-Leinwand der Sailing Arena im Olympiazentrum Schilksee übertragen.

Neu ist auch die Punktwertung vor den Finals der fünf Jollenklassen und der Nacra-17-Katamarane. Weiterhin ziehen die besten Zehn der Vorrennen ins Medalrace ein. Die Vergabe der Medaillen ist allerdings künftig völlig offen. Denn: Kein Finalist bekommt mehr als neun Zähler Vorsprung auf seinen nächsten Verfolger, egal wie viel Polster er vorher hatte. Mehr noch, der maximale Rückstand auf Platz drei wird auf 18 Punkte reduziert. Auch als Zehnter kann jemand also rechnerisch noch zu „Bronze“ segeln. Dadurch hat niemand schon vor dem Schlusstag einen Podiumsplatz sicher.

Das Gelbe Trikot kann auch am letzten Tag noch den Träger wechseln. Foto: Sascha Klahn

Hoffnung des geänderten Wertungssystems ist, dass bei Olympia am Ende noch zehn verschiedene Nationen Medaillenchancen haben und damit deren Sendeanstalten die Finalrennen übertragen. Für die Programmplaner wiederum sind zuverlässige Startzeiten elementar.

Kontraproduktiv sind häufige Massenfrühstarts, die zu Gesamtrückrufen und minutenlangen Verzögerungen führen. Die 49er-Klasse hat eine Vorreiterrolle eingenommen, um dieses Problem auszuschließen. Sie vertraut einer elektronischen Startkontrolle per GPS. Die Startlinie wird zwischen Startschiff und Starttonne virtuell per Satellit gezogen. Das funktioniert inzwischen zentimetergenau. Alle Teilnehmerboote haben ebenfalls GPS-Tracker der Firma Vakaros an Bord. Im Falle eines Frühstarts blinkt das Display rot und signalisiert den Aktiven, wer umdrehen und neu starten muss. Der Wettfahrtleitung entgeht kein verdeckter Frühstarter mehr. Sie kann die Wettfahrt weiterlaufen lassen. Verschärfte Startregeln sind überflüssig.

Andere Bootsklassen dürften bald nachziehen, um ihrer Medialisierung gerecht zu werden. Ungeachtet seiner Vielseitigkeit und langen Tradition muss der Segelsport ein weltweit breites Zuschauerinteresse nachweisen. Die Kieler Woche kommt dem Anspruch nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Kieler Bewerbung um die Austragung der olympischen Segelwettbewerbe 2036, 2040 oder 2044 mit großem Elan nach.