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Trotz schwacher Winde brachten die Flying Dutchman eine reguläre WM über die Bahn. Foto: Sascha Klahn

Extremsommer bestimmte die Kieler Woche

Die Kieler Woche 2026 wird in die Geschichte eingehen. Niemals zuvor prägte ein derart ausgeprägter Hitzesommer die Regatten der weltgrößten Regatta. Die anhaltende Flaute machte es den Wettfahrtleitungen nicht einfach, ein faires Regattaprogramm über den Kurs zu bringen. Doch trotz dieser höchsten Herausforderungen musste die Teams um Organisationsleiter Dirk Ramhorst nur einen Tag Komplettausfall vermelden. An anderen Tagen ging zwar auch nicht viel, ein Segelprogramm konnte aber für alle Klassen geboten werden.

Im Feld der Contender landete Max Billerbeck von der Elbe auf Platz drei. Foto: Sascha Klahn

„Wind und Wetter können wir nicht beeinflussen, nur das Beste daraus machen“, resümierte Ramhorst, „und das haben wir mit maximaler Flexibilität und Starts noch in den frühen Abendstunden getan.“ Insgesamt wurden 200 Wettfahrten an den neun Tagen gesegelt. Am besten kamen die Skiffklassen zurecht. Vor der Europameisterschaft der 49er, 49erFX und Nacra 17 in Eckernförde schafften die Olympia-Skiffs bis zu zwölf Wettfahrten. Auch der 29er-Nachwuchs kam auf seine Kosten. Zur Kieler Woche, die als Generalprobe für die Weltmeisterschaft an gleicher Stelle in der kommenden Woche gilt, wurden neun Rennen gesegelt.

Dünn war es hingegen für die Wingfoiler. Bei ihnen reichte es nur zu zwei Wettfahrten im Rahmen der German Open. Den Titel holte sich der Kieler Yannik Holste. Und auch die Flying Dutchman hatten es schwer, ihre Weltmeisterschaft im Rahmen der Kieler Woche ordnungsgemäß zu Ende zu bringen. Am Ende reichte es zu vier Wettfahrten und es konnten neue bzw. wiederkehrende Weltmeister gekürt werden.

Nachdem bereits die erste Hälfte mit dem Sailing Grand Slam der Olympiaklassen schwierig war, legte die Hitzewelle in der zweiten Halbzeit der Kieler Woche mit den Meisterschaftsentscheidungen noch einen oben drauf.

Hart gebeutelt war die WM der Flying Dutchman. Der Hauch von Olympia, der mit der ehemaligen Olympiaklasse durch das Olympiazentrum weht, war nur ein schwacher. 1972 segelte Ulli Libor mit Peter Naumann vor Kiel im FD zu Olympia-Bronze, nun ging es um die Weltmeisterschaft. Und dort präsentierten sich die Rekord-Weltmeister Szabolcs Majthenyi und András Domokos aus Ungarn in Bestform. In den lediglich vier Wettfahrten hatten sie die beständigste Serie, brachten zwei Siege und einen zweiten Platz in die Wertung ein. Ihren Ausrutscher, einen neunten Platz, konnten sie streichen und hielten so ihre deutschen Dauerkonkurrenten Kay-Uwe Lüdtke/Kai Schäfers (Berlin/Hannover) auf Distanz.

Am letzten Tag wurde der Angriff von Lüdtke/Schäfers auf den Titel ausgebremst. Es gab zwar mehrere Startversuche der FD, aber entweder wurden sie durch einen Massen-Frühstart oder durch das Wegbrechen des Windes wieder abgebrochen. So mussten die Deutschen nach zwei Goldmedaillen (2022, 2024) nun zum vierten Mal mit WM-Silber vorlieb nehmen. Auf Rang drei kamen die Italiener Nicola Vespasiani/Francesco Vespasiani.

Der 29er Eurocup-Titel geht nach Polen. Mit Nervenstärke segelten Blanka Sójkowska und Julia Nagórska zum zweiten Platz in der letzten Wettfahrt und strichen damit den Patzer aus dem vorherigen Rennen (17.) aus ihrer Wertung. Silber gewannen Maximo Baudoino und Juan Ignacio Cernadas aus Argentinien vor der neuseeländischen Crew Nelsen Mecham und Oli Stone. Beste Deutsche im international top besetzten Feld wurden David Plettner und Moritz Aigner aus Bayern auf Platz elf. Alle sehen sich am Freitag wieder in Schilksee, wenn die 29er-WM eröffnet wird.

Feiern durfte Nikos Beckmann. Der Kieler holte sich die KiWo-Titel der Ilca 4. Foto: Sascha Klahn

Dann hoffen insbesondere die schleswig-holsteinischen Crews auf mehr Wind. Als Beste aus dem Norden platzierten sich Maiken Fromm/Cidalia Voigt vom Kieler YC auf Rang 30. Herausragend lief es dagegen für den KYC und den Kader des SVSH im Ilca 4 . Nikos Beckmann krönte sich nach fünf Wettfahrten – zwar ohne Tagessieg, aber mit einer Serie aus Top-Ergebnissen – zum Kieler-Woche-Sieger 2026. Zudem platzierten sich auch noch Korbinian Grawe (SSV Louisenlund) als Siebter und Friedrich Beckmann (KYC, nicht verwandt mit Nikos) aus Neunter in den Top-Ten unter den 68 Startern.

Nur knapp verpasste Anton Thonfeld (Flensburger SC) als 13. Die Top-Ten der Ilca 6. Lediglich zwei Punkte fehlten dem Flensburger nach vier Wettfahrten dazu. Moritz Engel (KYC) lag zwei weitere Punkte dahinter auf Platz 15 der riesigen Flotte von 146 Startern. Den Sieg holte sich hier der Brasilianer Erik Scheidt, Sohn des fünfmaligen Olympia-Medaillengewinners Robert Scheidt.

Im Contender dokumentierte Ex-Weltmeister Max Billerbeck (WSV Kollmar), Dauergast auf dem Kieler-Woche-Podium, als Dritter seine weitere Zugehörigkeit zur Weltspitze. Er musste sich nur dem Italiener Marco Ferrari und dem amtierenden Weltmeister Mark Bulka (Australien) geschlagen geben.

Die „Xalty“-Crew feierte die Titelverteidigung bei der Double handed IDM der Seesegler. Foto: Christian Beeck.

Für heimische Titelgewinne sorgten die Seesegler. Erneut deutsche Seesegelmeister in der Kategorie Double handed  sind Bernd Dreyer und Jan Assmann mit ihrer Yacht „Xalty“ aus Flensburg. Bei der abschließenden Langstrecke wurden die Flensburger Dritte und holten den Titel vor Julia Walgern und Serjoscha Bender (Aachen) auf der „Xirasol“. Zuvor hatte bereits der Kieler Sönke Meier-Sawatzki mit der „Niramo“ den deutschen Seesegel-Titel Inshore mit dem Team gewonnen – vor dem Schweden Patrik Forsgren und dem Kieler Johannes Wackerhaben auf der „Lil Desna“.

Die Kieler-Woche-Regatta galt auch als Visitenkarte für die Kieler Bewerbung um die Austragung der Segelwettbewerbe im Rahmen der deutschen Olympiabewerbung für 2036, 2040 oder 2044. Hochkarätige Gäste aus dem In- und Ausland, vor allem auch aus den Hauptbewerberregionen für Olympia, München und Köln/Rhein-Ruhr, besuchten die Kieler Woche. „Wir haben Begeisterung für den Segelsport und für Kiel-Schilksee geweckt“, freute sich Ramhorst, der auch von den Aktiven viel Zuspruch für die Organisation mit nochmal verbesserter Servicequalität erntete.

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