München und Kiel gehen für Deutschland ins Rennen
Die außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat sich heute (26. September) in Baden-Baden für München als deutschen Bewerber um Olympische und Paralympische Spiele entschieden. Gemeinsam mit Kiel als Austragungsort der Segelwettbewerbe geht München damit in die nächste Phase des Bewerbungsverfahrens. Der Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV) und der Segler-Verband Schleswig-Holstein werten das als großen Erfolg für Kiel und das Sportland Schleswig-Holstein.
„Die Entscheidung ist ein großer Erfolg für Kiel, für Schleswig-Holstein und für den Segelsport. Unser besonderer Dank gilt München für das Vertrauen in Kiel und die Einbindung unseres Standortes in das hervorragende Bewerbungskonzept. Viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben sich in der Bewerbungsphase mit großem Engagement für Kiel eingesetzt. Ihnen allen und den Kielerinnen und Kielern, die mit ihrem Votum einen starken Rückhalt für die Bewerbung geschaffen haben, gilt unser ausdrücklicher Dank“, erklärt LSV-Präsidentin Barbara Ostmeier.
Der Vorsitzende des Segler-Verbandes Schleswig-Holstein, Jan-Dirk Tenge, war mit in Baden-Baden und bekannte nach langen intensiven Wochen des Werbens: „Ein perfektes Mannschaftsspiel zwischen Stadt Kiel, der Landesregierung und dem zuständigen Sportministerium, dem Landessportverband und dem Seglerverband Schleswig-Holstein. Jeder in unserem Team hat seine Stärke bestmöglich zur Entfaltung gebracht und damit unsere Bewerbung über die Ziellinie gebracht. München und Kiel sind nicht nur ein historisch gewachsenes Team, sondern im besten Sinne eine gesamtdeutsche Bewerbung.“
Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit: Gemeinsam mit dem starken Partner München, dem DOSB, dem Land Schleswig-Holstein, der Landeshauptstadt Kiel und dem unter seinem Dach organisierten Sport will der LSV die deutsche Bewerbung weiter voranbringen.
„Die Entscheidung bedeutet für uns Freude und Auftrag zugleich. Olympische und Paralympische Spiele können die gesamte Bevölkerung begeistern und dem Sport weit über die Wettbewerbe hinaus neue Impulse geben. Damit diese Wirkung tatsächlich bei den Menschen ankommt, brauchen wir schon jetzt verlässliche Rahmenbedingungen und gezielte, nachhaltige Investitionen in den Sport. Wir müssen diejenigen stärken, die ihn jeden Tag tragen: unsere Athletinnen und Athleten, die vielen ehrenamtlich Engagierten sowie die Kinder und Jugendlichen in unseren Vereinen. Dazu bedarf es starker Strukturen, guter Entwicklungsmöglichkeiten und einer zeitgemäßen und vor allem funktionalen Infrastruktur. Jeder in den Sport investierte Euro ist eine Investition in Gesundheit, Gemeinschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn der Weg zu Olympischen und Paralympischen Spielen beginnt nicht erst auf der großen internationalen Bühne. Er beginnt direkt vor Ort in den Städten und Gemeinden – in der Turnhalle, auf dem Sportplatz, im Schwimmbad, auf dem Wasser und vor allem im Verein. Dafür werden wir uns im weiteren Bewerbungsverfahren mit ganzer Kraft einsetzen“, betont Ostmeier.
Die Kieler Seglerinnen und Segler, die im Kieler Yacht-Club bei der Übertragung der Abstimmung mitgefiebert hatten, freuen sich, dass es München und damit Kiel geschafft haben.

„Es war super spannend, vor allem weil es auch noch viel länger gedauert hat als geplant“, sagte Freya Feilcke, die im Frühjahr mit Maru Scheel zu WM-Platz fünf im 49erFX gesegelt war. „Es war ein tolle Atmosphäre, dass hier mit der Jo-Kampagne zu verfolgen. Am Ende war es sehr emotional, alle haben gejubelt, alle sind happy.“
Auch die anderen jungen Segler waren voller Freude. Anna Barth, gerade erst vom SailGP in Genf nach Kiel zurückgekehrt und am Vormittag noch mit ihrer 49erFX-Partnerin Emma Kohlhoff zum Training auf der Kieler Förde, sieht bei olympischen Segelwettbewerben vor Kiel gute Chancen, eine große Begeisterung auf das Wasser zu tragen und damit die Athleten zu Top-Leistungen anzuspornen.
„Beim SailGP bebt die Tribüne in Sassnitz. Und ich denke, dass wir in Kiel ein ähnliches Feuer entfachen können. Man hat das schon gesehen beim Start vom Ocean Race, wie viele Menschen sich zusammengefunden haben an der Promenade. Das wird auf jeden Fall gigantisch. Kiel ist genau die richtige Stadt, um diese Aufgabe anzunehmen“, sagte Anna Barth nach der Entscheidung.
Ihre Vorschoterin Emma Kohlhoff weiß um das Olympia-Flair aus den Erzählungen ihres Bruders Paul, der dreimal bei den Spielen war und 2021 Bronze vor Tokio gewonnen hat. Daher hat sie bei der Entscheidung intensiv mitgefiebert, dass der Zuschlag auf München und damit Kiel fällt.
„Gehofft haben wir alle in der Familie, und die Freude ist riesig, dass es jetzt Kiel geworden ist. Eine Teilnahme ’36, ’40 oder ’44 wäre für mich realistisch. 20238 bin ich erst 28 Jahre alt. Es ist ein Riesenwunsch und ein Traum von mir, bei Olympia und dann auch noch in meiner Heimatstadt anzutreten.“
Selbst ihr Bruder Paul, so Emma Kohlhoff, würde dann noch mal ins Überlegen kommen, eine Kampagne zu starten. „Einfach weil es so ein Riesenerlebnis ist“, so die 18-Jährige. Kiel als Standort würde dabei alle Voraussetzung für ein großes Erlebnis mitbringen: „Ich bin sehr überzeugt von Kiel. Die Kieler Woche zeigt, dass hier großartige Events möglich sind.“
Frederik Schwall kennt wie Emma Kohlhoff das Olympia-Feeling aus den familiären Erzählungen, da sein Vater René an der Seite von Roland Gäbler 2000 Olympiabronze vor Sydney gewonnen hat: „Olympia spielt bei uns natürlich eine übergeordnete Rolle, weil es unseren Traum und unser Ziel darstellt. Das ist es, was uns antreibt, jeden weiter daran zu arbeiten.“
Und mit Blick auf Kiel sagte er: „Sich vorzustellen, dass in der Heimat erleben zu können, das verstärkt den Effekt. 2036, 2040 ist für uns auf jeden Fall gut machbar, vielleicht auch 2044, da es im Segelsport ja auch um Erfahrung geht. Und der Heimvorteil macht einen großen Unterschied, wenn über Jahre die Reviereigenheiten kennenlernen kann, da Wind und Wetter im Segeln eine große Rolle spielen.“
Aus Sicht von Freya Feilcke ist mit Kiel die beste Entscheidung für mögliche olympische Segelwettbewerbe in Deutschland gefallen: „Ich war von Anfang an überzeugt, dass Kiel der beste Segelstandort ist in Deutschland. Es ist ja auch der Stützpunkt, wo wir seit Jahren trainieren. Die Stadt liebt Segeln, deswegen war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung.“