Top-Teams in den Startlöchern für die KiWo
Die Kieler Woche 2026 verspricht spannende Segelwettkämpfe auf höchstem internationalem Niveau. Sechs olympische Disziplinen, darunter rund 130 ILCA-7-Jollen und knapp 100 Skiffs der 49er, starten ab Sonnabend (20. Juni) in den Sailing Grand Slam. Die Elite des Deutschen Segler-Verbands erwartet in allen Bootsklassen starke Konkurrenz aus insgesamt 58 Nationen. Die Entscheidungen fallen am Mittwoch (24. Juni). Im zweiten Teil kämpfen 73 Flying Dutchman um den WM-Titel. Und 162 Nachwuchscrews nutzen den Eurocup der 29er als Generalprobe für die WM direkt nach der Kieler Woche an gleicher Stelle.
„Die Kieler Woche wird einmal mehr unter Beweis stellen, dass Kiel-Schilksee auch für olympische Segelwettbewerbe der Zukunft bestens geeignet wäre“, sagte Organisationsleiter Dirk Ramhorst am Dienstagmittag (16. Juni) auf der Vorab-Pressekonferenz. Im September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), mit welchem Segelrevier München, Köln/Rhein-Ruhr oder Berlin ins Rennen um die Spiele 2036, 40 oder 44 gehen soll. Somit werden neun Tage bis zur letzten Siegerehrung am zweiten Sonntag (28. Juni) viele Augen auf die Kieler Woche gerichtet sein. Dirk Ramhorst: „Wir lassen uns an den höchsten Ansprüchen messen und wollen denen mehr als genügen.“

Während Sportdeutschland als Ausrichter noch von Olympischen Ringen im nächsten oder übernächsten Jahrzehnt träumt, gibt die Weltspitze zwei Jahre vor den Spielen von Los Angeles bereits Vollgas. Im 49er gehören gleich zwei einheimische Duos dazu. Als Vierte schrammten Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger jüngst nur denkbar knapp am WM-Podium vorbei. Richard Schultheis und Fabian Rieger gewannen den Saisonauftakt des Sailing Grand Slams, die Princes Sofia Trophy vor Mallorca. Aber nur eine Mannschaft wird sich für Olympia qualifizieren können.
„Das ändert nichts an unserer gemeinsamen Vorbereitung und dem Ziel, vor Long Beach Edelmetall für Deutschland zu holen“, beteuert der Wahl-Kieler Meggendorfer, „egal wer am Ende die Fahrkarten löst.“ Auch der gleichaltrige Rieger (beide 30) lässt auf das nationale Sparring nichts kommen und will bis zur letzten Ausscheidungsregatta mit offenen Karten spielen: „Die Trainingsgruppe soll eine Medaille gewinnen. Der Fokus macht uns stark.“
Als sich Fabian Rieger, der bis 2022 mit Tim Fischer vier WM- und EM-Medaillen gewann, voriges Jahr bei dem erst 21-jährigen Richard Schultheis an die Vorschot setzte, war sofort eine Erfolgsteam geboren. „Die Kombination mit einem hungrigen Steuermann und meiner Erfahrung klappte auf Anhieb“, erzählt Rieger. „Wobei Richard kein junger Wilder ist, eher ruhig, durchdacht und entspannt.“ Schultheis lebt eigentlich auf Malta, „aber wir sind ja eh ständig unterwegs.“
Nachdem die WM krankheitsbedingt („wir waren beide angeschlagen“) nicht optimal lief, soll die Kieler Woche als letzter Test für die anschließende EM in Eckernförde wieder ihre Weltklasse belegen. Außer wenigen Top-Teams, die parallel beim Sail GP in Halifax/Kanada engagiert sind, ist in Kiel alles am Start, was Rang und Namen hat. Auch für Meggendorfer/Spranger, die bereits seit 2010 in einem Boot sitzen, wird das ein Heimspiel mit erneutem Ziel Podium. „Die verpasste WM-Medaille hatten wir nach zwei Stunden verdaut“, so der Steuermann, auch weil die Olympiakader-Zugehörigkeit ab 2027 trotzdem gesichert ist.
Mit Rückenproblemen war Jakob Meggendorfer im vergangenen etliche Monate ausgefallen. Diese Probleme habe er inzwischen jedoch durch geändertes Athletiktraining gut im Griff. Das Comeback mit der besten WM-Platzierung der Karriere hat Außenstehende mehr überrascht als das Team selbst. „Wir haben immer an unser Potenzial geglaubt.“ Nach der Olympiapremiere 2024 in Marseille, als sie das Medal Race hauchdünn verfehlten, soll es in L. A. weit nach oben gehen. Aber zunächst wollen sie das Kieler-Woche-Silber vom Vorjahr vielleicht vergolden.
Die deutschen Chancen auf einen Kieler-Woche-Sieg sind in drei weiteren olympischen Disziplinen gut. Im Vorjahr holten Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer (Gardasee/Kiel) Silber genau wie vor Mallorca dieses Jahr. Katharina Schwachhofer/Elena Stoltze (Frankfurt a. M./Kiel) kommen als Junioren-Welt- und -Europameisterinnen. Die amtierenden Europameisterinnen und Olympia-Sechsten Marla Bergmann und Hanna Wille (Hamburg/Kiel) gehören genauso zum Favoritenkreis wie Freya Feilcke und Maru Scheel vom Kieler Yacht-Club nach WM-Platz fünf.
In der 470er-Mixed-Konkurrenz ruhen die größten Hoffnungen auf den Vizeweltmeistern Simon Diesch aus Deggernhausertal und der Kielerin Anna Markfort sowie deren vermeintlich härtester Konkurrenz, wenn es um die Olympiatickets geht, Theres Dahnke/Paco Melzer (Kiel/Grünheide). Im ILCA 7 brillierte der Sonthofener Dauerbrenner Philipp Buhl zuletzt mit EM-Silber, während Lokalmatador Ole Schweckendiek Drittbester der U23-Wertung wurde.

19 WM-/EM-Medaillengewinnerinnen und -gewinner ihrer Bootsklassen gehen zur Kieler Woche an den Start. Bei der FD-Weltmeisterschaft, die bereits am Mittwoch parallel zu den olympischen Medal Races startet, ist das gesamte Vorjahrespodium dabei. Es wird von den Titelverteidigern Kilian König und Johannes Brack aus Hannover angeführt. Die Vorfreude auf die Regatta wird durch die mittelfristige Wettvorhersage gestützt: Zur Kieler Woche soll der Sommer mit Temperaturen über der 20-Grad-Marke nach Norddeutschland zurückkehren.