Frische Boote für große Aufgaben
Die Kieler Woche ist die Bühne, Olympia 2028 in Los Angeles das Ziel und die Heimspiele in 2036, 2040 oder 2044 die große Vision: In Kiel greifen in Sachen Segelsport viele Zahnräder ineinander – alles mit Blick auf den großen olympischen Traum.
Zum Auftakt der Kieler Woche warfen sich der Segler-Verband Schleswig-Holstein (SVSH), das Land Schleswig-Holstein, der Landessportverband und der Kieler Yacht-Club gemeinsam ins Zeug, um die Olympia-Idee weiter zu unterfüttern und die Spitzenathleten aus dem Norden sowie die SH-Landestrainer mit bestem Equipment auszustatten.

Gleich fünf Boote – zwei Coachboote, zwei Skiffs und ein Ilca – wurden durch hohe sportliche, politische und kulturelle Prominenz getauft. Bei schönstem Sommerwetter waren Nachwuchssportler, Spitzenathleten, Trainer und über 100 Gäste gekommen, um bei dem Zeremoniell dabei zu sein und den Teams Maru Scheel/Freya Feilcke, Simon Heindl/Conrad Jacobs sowie Ole Schweckendiek viel Erfolg mit den neuen Booten bei der anstehenden Kieler Woche, den kommenden internationalen Meisterschaften und den Olympia-Kampagnen zu wünschen.
Das finanzielle Engagement ist für einen Landesseglerverband immens und nur mit den Partnern zu stemmen. Gemeinsam mit dem Coachboat, das bereits zu Pfingsten getauft wurde, sowie Trailern und Zubehör hat die Investition in das Boots-Equipment in den vergangenen Monaten ein Volumen von 250.000 Euro erreicht.
Das Land Schleswig-Holstein hat allein für die Beschaffung der beiden neuen Coachboote vom Typ Tornado 73.600 Euro beigesteuert. Den Kauf der Skiffs und Ilca teilen sich SVSH, LSV und KYC. Damit erhöht sich der aktuelle Bestand an Jollen der Olympiaklassen innerhalb des SVSH auf 21. Jahr für Jahr werden topaktuelle Boote angeschafft, um die Topathleten zu fördern. Die älteren Boote gehen an die Nachwuchsathleten, um diese an die großen Aufgaben heranzuführen.

Der Ilca-Junioren-Weltmeister von 2025, Ole Schweckendiek, erklärte, warum neues Equipment so wichtig für den Erfolg ist: „Bei 250 Wassertagen im Jahr mit dem ständigen Einsatz in den Wellen wird der Rumpf weich, geht nicht mehr so durch die Wellen. Dem Laien fällt das nicht unbedingt auf, aber im Spitzenbereich entscheiden diese Nuancen über den Erfolg.“
Als junger Athlet, der gerade der U21-Altersklasse entwachsen ist, ist ein Olympiastart bereits in 2028 ein sehr hohes Ziel für Ole Schweckendiek, zumal mit dem aktuellen Vize-Europameister Philipp Buhl ein erfahrener Olympia-Athlet noch vor ihm steht.
Bei der vergangenen WM der 49erFX haben sich Maru Scheel/Freya Feilcke gerade als starke Fünfte zur deutschen Nummer eins aufgeschwungen. Ihr neues Boot, getauft auf den Namen der Nymphe „Pherusa“, war da schon im Einsatz. Jetzt soll es das Team beim Heimspiel zur Kieler Woche und der folgenden Europameisterschaft vor Eckernförde zu weiteren Erfolgen führen.
Auf den großen Erfolg vor Kiel und Eckernförde setzen auch Simon Heindl/Conrad Jacobs. Die Junioren-Weltmeister im 49er von 2024 haben ihr Boot bis zur Taufe geschont, um mit knallharten Rumpf antreten zu können. Ihr Bootsname „Miracle 21“ bezieht sich auf eine erfolgreiche Trimmeinstellung, die sie mit ihrem Ex-Trainer für den 49er entwickelt haben.
Als Taufpatinnen gaben die aus Kiel stammende Hochsprung-Olympiasiegerin von 1992, Heike Meier-Henkel, die LSV-Vizepräsidentin und zweimalige Ruder-Olympiasiegerin (2000 und 2004) Meike Evers-Rölver sowie die Bronze-Gewinnerin von Tokio im Nacra 17, Alica Stuhlemmer, Einblicke in die olympische Gefühlswelt.
Unter den Erfolgs-Athletinnen herrschte Einigkeit, dass Olympia für Sportlerinnen und Sportler einmalige Erlebnisse liefert, die für die Entbehrungen im Trainingsalltag entschädigt. Jeweils dreimal haben Heike Meier-Henkel und Meike Evers-Rölver, die als ehrenamtliche LSV-Vizepräsidentin dem Sport in Schleswig-Holstein etwas zurückgeben möchte, Olympia genießen können. Alica Stuhlemmer war in Tokio 2021 und Paris 2024 am Start. Zur Kieler Woche testet sie mit neuem Partner Julian Hoffmann aus, ob es ein drittes Mal geben könnte.
Voraussetzung für erfolgreiche Segel-Karrieren ist auch ein qualitativ hochwertiges Training. Und dafür benötigen die Coaches zuverlässige Motorboote, um die Athleten betreuen zu können. Die Flotte dieser Boote frischt der SVSH gerade auf. Im direkten Austausch mit der Tornado-Werft fließen dabei die Erfahrungen der SVSH-Trainer auch in die Weiterentwicklung der Motorboote ein.
Denn während die beiden aktuellen Boote pünktlich zur Kieler Woche ausgeliefert wurden, stehen die nächsten Anschaffungen bereits vor der Tür. Im kommenden Jahr sollen zwei weitere Coachboote folgen, um nicht nur das Training in Kiel, sondern auch in den weiteren Landesstützpunkten in Flensburg, Rendsburg-Eckernförde und Lübeck/Ostholstein zu stärken.
Und dafür hatte SH-Innenministerin Magdalena Finke eine starke Nachricht parat. Auch die Anschaffung dieser Boote fördert das Land im kommenden Jahr mit 73.600 Euro. Einen entsprechenden Förderbescheid übergab sie dem SVSH-Vorsitzenden Jan-Dirk Tenge.
Sie war direkt von der Innenminister-Konferenz aus Hamburg zur Taufe angereist und erklärte im Olympia-Wettbewerb mit Warnemünde: „Wir sind der Segelstandort Nummer eins in Deutschland. Durch das positive Referendum in Kiel haben wir einen Meilenstein erreicht. Jetzt gilt es, weiter an der Bewerbung zu arbeiten“, sagte Finke, bevor sie gemeinsam mit Schauspielerin Sibel Kekilli, der ehemaligen Kieler „Tatort-Kommissarin“ Sarah Brandt, zur Taufe schritt.
Kekilli, die in Hamburg lebt, lobte die offene Art der Kielerinnen und Kieler, die sie in ihrer „Tatort“-Zeit hier erleben durfte und die sie gern an die Förde zurückkehren lässt. Sie taufte die neue „Berthold Beitz“, während Innenministerin Finke der „Hermann A. Cornelius“ ihren Namen gab.

Katrin Cornelius, die Witwe von Hermann A. Cornelius, und Bettina Poullain, Tochter von Berthold Beitz, waren bei der Taufe dabei. Beide Männer stehen durch ihre Funktionärstätigkeit für den Erfolg der olympischen Segelwettbewerbe von 1972. Und damit schloss sich der Olympiakreis der Zeremonie, den Gerwin Stöcken, Bürgermeister von Kiel, gern aufgegriffen hatte.
Nach dem erfolgreichen Referendum in Kiel wollte er nun die Bewerber München und Rhein-Ruhr von den Kieler Qualitäten überzeugen: In München weiß man seit 1972 um die gute Nord-Süd-Kombination. „Wir werden jetzt von allen Seiten nach NRW einfallen und zeigen, dass man Segeln nur mit Kiel kann. Das soll gar kein Votum gegen Warnemünde sein, sondern ein klares für Kiel.“