Segel-Medaillengewinner loben Kieler Revier-Qualitäten
Nach den Landessegelverbänden von Nordrhein-Westfalen und Bayern geben auch die aktuellsten deutschen Medaillengewinner von Olympischen und Paralympischen Spielen ihr Votum für Kiel als möglichen Standort für olympische und paralympische Segelwettbewerbe in 2036, 2040 oder 2044 ab. Zuletzt gab es 2021 drei Segelmedaillen bei Olympischen Spielen für Deutschland. Aus allen drei Teams kommen klare Statements für Kiel, und auch die Paralympics-Sieger Heiko Kröger und Jens Kroker beziehen Stellung für die Sailing City.
Thomas Plößel, der 2016 und 2021 mit Erik Heil jeweils Bronze im 49er gewann, sagt: „Beide deutschen Reviere, Warnemünde und Kiel, sind sehr gut für Olympia geeignet. Die freie See in Warnemünde ist top, aber für Kiel spricht die Vielseitigkeit, die in einer Regattawoche sehr gut zu mischen ist. Man kann unter Land segeln oder draußen bei harten Wellenbedingungen. Daher ist Kiel international als sehr anspruchsvolles Revier bekannt. Und die Athleten kommen gern hierher. Das liegt am Flair der Stadt, der guten Infrastruktur im Olympiazentrum und der Kieler Woche als Event. Es ist einfach gut inszeniert, und man hat eine tolle Zeit.“
Paul Kohlhoff, der in seiner Karriere dreimal an Olympischen Spielen teilgenommen und 2021 mit Alica Stuhlemmer Bronze im foilenden Nacra 17 gewonnen hat, lobt an Kiel vor allem die Wind-Garantie: „Kiel zeigt immer wieder zur Kieler Woche, aber auch anderen Großereignissen, wie windsicher es ist. Es gibt wenig Ausfälle an Wettfahrten. Dazu trägt auch die Infrastruktur bei, die die Organisation von Großereignissen erleichtert. Kritiken von Athleten über zu wenig Zeit auf dem Wasser zur Kieler Woche wurden aufgegriffen und verbessert. Kiel genießt daher international einen hohen Stellenwert. Für die nationale Vorbereitung auf Olympische und Paralympische Spiele ist die Infrastruktur am Bundesstützpunkt schon jetzt sehr gut – mit ein paar Um- und Ausbauten sicherlich top. Und am Ende zählt ohnehin die Segelzeit auf dem Revier, um auch sportlich erfolgreiche Spiele für Deutschland zu bestreiten.“

Als Kielerin hat für Susann Beucke Schilksee natürlich einen maximalen Stellenwert, auch weil die Olympia-Zweite von Tokio im 49erFX hier 2017 mit Steuerfrau Tina Lutz zum ersten Mal Europameisterin in der olympischen Skiff-Klasse geworden ist. Doch außer der eigenen emotionalen Verbundenheit sieht sie auch objektiv starke Gründe für Kiel als olympischen Segelstandort: „Der Bekanntheitsgrad von Kiel in der Segelszene ist einfach riesig. Wenn Du als Seglerin irgendwo sagst, dass Du aus Kiel kommst, dann kann damit jeder etwas anfangen. Nicht nur wegen Olympia 1972 und der Kieler Woche, sondern auch wegen des Stadt-Images, sich als Segelstadt zu positionieren. Außerdem steht die Strander Bucht für ein Top-Revier – gerade für moderne, foilende Olympiaklassen, die flaches Wasser ohne kabbelige Wellen mögen. Und auch die Infrastruktur des Olympiazentrums passt. Da muss man das Rad gar nicht erst neu erfinden.“
Für Heiko Kröger, den fünfmaligen Paralympics-Teilnehmer mit Gold- und Silbergewinnen in Sydney und London sowie 13-maligen Weltmeister in der 2.4mR, steht Kiel beispielhaft für den paralympischen Segelsport: „Als Segeln für 2000 paralympisch werden sollte, war man in Kiel auf meine Anfrage hin sofort bereit, das paralympische Segeln in die Kieler Woche aufzunehmen. Seitdem haben wir gemeinsam immer weiter daran gearbeitet, im Olympiazentrum einen barrierefreien Zugang zu den Stegen zu schaffen. Über die Qualitäten von Kiel gibt es keinen Zweifel. Und das Revier in der Strander Bucht wäre für die Klassen, die von World Sailing derzeit präsentiert werden, um ins paralympische Programm zurückzukehren, perfekt: Kurze Wege auf die Bahn, flaches Wasser und große Medienwirksamkeit. Mehr geht nicht. Der internationale Bekanntheitsgrad von Kiel sowie die Begeisterung der Bevölkerung wären für eine deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele sicher von großem Vorteil.“
Jens Kroker, mit zweimal Gold und einmal Silber Deutschlands erfolgreichster paralympischer Segler, kennt Kiel seit seiner Opti-Zeit und damit seit viereinhalb Jahrzehnten. Aus dieser Erfahrung kann er sagen: „Das Segelrevier vor Kiel bietet eine tolle Plattform sowohl für den olympischen als auch den paralympischen Segelsport. Gerade die geschützten Bereiche in der Strander Bucht sind für die Para-Klassen von großem Vorteil. Sie bieten flaches Wasser, sind aber anspruchsvoll zu segeln. Das macht den Sport richtig interessant. Die 2.4mR sind als inklusive Klasse ständig zur Kieler Woche vertreten, und mit der Para-Klasse Hansa 303 sind wir 2017 die Welt- und 2018 die Europameisterschaft gesegelt. Die paralympische Community kennt und schätzt daher Kiel. Zudem kann Kiel schon auf die erfolgreiche Ausrichtung von Olympischen Spielen zurückblicken, und ein Upgrade des Olympiazentrums wäre für die Infrastruktur und damit die Segel-Gemeinschaft ein Gewinn.“